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Hoffnungsschimmer Knochentransplantation

BSV Eggenstein-Leopoldshafen muss im Kampf um den Klassenerhalt auf Schlenga verzichten

Mit einem Außenbandriss fängt alles an. Anfang 2025 passiert Fabian Schlenga das Malheur. Es ist nicht der erste Bänderriss im Leben des Badmintonspielers. Schon einige Jahre zuvor reißt das Band im linken Sprunggelenk, seinem Sprungbein. Fabian Schlenga, das kann man durchaus sagen, kennt sich mit solchen Verletzungen aus. Also erst mal keine Belastung. Viel Ruhe, ein paar Wochen Pause. Dann aber greift er wieder zum Schläger, steht für seinen BSV Eggenstein-Leopoldshafen in den Natioliga-Partien wieder auf dem Feld. Feiert die Meisterschaft – und eben die Zweitliga-Rückkehr.

Doch schon da begleitet ihn ein ungutes Gefühl. Das Sprunggelenk schmerzt, fühlt sich einfach nicht gut an. „Ich habe aber im Heilungsprozess nichts anders gemacht als davor“, sagt der 25-Jährige rückblickend. Schlenga, von Kindesbeinen an beim BSV am Schläger, zieht durch. Für seinen Herzensverein. Blendet die Schmerzen aus. Vielleicht erträglich, weil er es schon kennt. Badminton-Liebe, so scheint es, kennt keine Schmerzen. Zumal die Sommerpause naht. Ruhe für das lädierte Sprunggelenk. „Ich habe gedacht, dass es von allein wird“, sagt er. Ein Trugschluss. Selbst im Alltag bereitet ihm sein Fuß Probleme. Es folgen Arztbesuche, Physiotherapie, Krankengymnastik.

„Es wurde dadurch tatsächlich etwas besser, aber perfekt war es nicht“, sagt Schlenga. Im Oktober, da läuft die Saison in der Zweiten Liga Süd bereits, hat Schlenga einen MRT-Termin. Der soll endlich für Gewissheit sorgen. In der Zwischenzeit schwingt Schlenga zumindest im Doppel noch den Schläger. Versucht dem Aufsteiger aus seiner Sicht irgendwie zu helfen. An einem Spieltag steht der Mannschaftskapitän und Top-Spieler des BSV gar noch einmal im Einzel auf dem Feld. Natürlich unter Schmerzen.

Dann sind die MRT-Ergebnisse da. Und mit ihnen Gewissheit. Aber vor allem eins: Ernüchterung. Vielleicht sogar Entsetzen, ob der Aufzählung der Ärzte. Löcher im Knorpel, Hohlräume, gefüllt mit Wasser – im Knochen, Ödeme. Die Liste ist lang. Und liest sich wie ein Horrorfilm. In einer Klinik in Freiburg, die spezialisiert ist auf Gelenke, wird Schlengas Sprunggelenk noch genauer untersucht. Die Ärzte fassen die Ergebnisse wie folgt zusammen: „Da ist eigentlich alles futsch“, erinnert er sich. Totalschaden. Fabian Schlenga erzählt seine (Leidens-) Geschichte nüchtern, ganz sachlich. Relativ emotionslos. „Ich bin gut darin, so etwas zu ignorieren und nicht in Verzweiflung zu verfallen“, sagt das BSV-Eigengewächs. Zumindest in den ersten Wochen und Monaten.

„Mittlerweile merke ich aber schon, dass die Situation psychisch eine Belastung für mich ist“, sagt der gebürtige Eggensteiner offen und ehrlich. Zumal auf dem Leidensweg gerade mal Halbzeit ist.

Im Februar steht die OP an. Dann wird ein Stück Knochen ins Sprunggelenk transplantiert. „Die OP wird mich nochmal für ein gutes Jahr ausknocken”, sagt Schlenga, der auf einen guten Heilungsprozess hofft: „Mir ist klar, dass mein Gelenk nie mehr so super sein wird, wie am Anfang. Aber ich möchte wieder auf einem ordentlichen Niveau Badminton spielen. Das ist, glaube ich, nicht ganz unrealistisch.“

Neben den körperlichen Schmerzen gesellen sich derzeit auch jene der Seele hinzu. Schließlich ist Schlenga in der Zuschauerrolle gefangen. Direkt am Seitenrand, während seine Teamkolleginnen und -kollegen den Federball übers Netz schmettern. Wochenende für Wochenende. Seit Monaten und mindestens noch für die nächsten zwölf. Fabian Schlenga schlüpft – gezwungenermaßen – in andere Rollen. Edelfan. Coach. Anpeitscher. Der Kapitän ist für seine Mannschaft da. Auch bei Auswärtsspielen in der ganzen Republik begleitet er den BSV.

In so einer Situation, in der sich Schlenga derzeit befindet, schmerzt der Blick auf die Tabelle gleich doppelt. Der BSV Eggenstein-Leopoldshafen belegt abgeschlagen den letzten Platz. Elf Spiele – zehn Niederlagen, nur ein Sieg. „Nicht schön zu dürfen und nur zuzuschauen zu können, ist extrem hart. Es schlägt total auf die Moral.“ Zur Saisonhalbzeit stehen die Zeichen auf Abstieg. Eigentlich kann nur noch ein Badminton-Wunder helfen. Dass es schwer werden würde, die Liga zu halten, das wusste Schlenga und Co. schon zu Saisonbeginn. „Es ist die beste Zweite Liga aller Zeiten, sie ist brutal“, sagt der verletzte Team-Captain. Außerdem setzt der BSV auf seine eigenen Spieler, verzichtet auf ausländische Top-Akteure – was die ganze Sache nochmals erschwert. Und dann fehlt mit Schlenga auch noch der Top-Spieler im Kader. „Der Ausfall von Fabian schwächt uns natürlich sehr. Es schmerzt sehr, ihn nicht auf dem Feld zu sehen“, sagt der BSV-Vorsitzende Michael Samman. Fabian lässt sich nichts anmerken. Aber die ganze Situation beschäftigt ihn natürlich schon“, glaubt Samman.

Schlenga bleibt kämpferisch. Ein Comeback? Fest eingeplant. Nur der Zeitpunkt ist offen. Und die Liga. Aber liebe zum Badminton kennt für Fabian Schlenga ohnehin keine Ligazugehörigkeit.

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